The Space Within

Katharina Lehmann

/ Jürgen Heinz

Eröffnung / 06.07. / 19:00 - 22:00

Ausstellung / 07.07. - 02.09.

Galerie Benjamin Eck II

Zieblandstraße 19 / Maxvorstadt

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Realität und Wirklichkeit sind abstrakte Begriffe. Sie variieren von Mensch zu Mensch und können sogar vollkommen gegensätzlich sein. Wenn eine Gruppe eine gemeinsame Wirklichkeit hat, dann entsteht diese durch Kommunikation und Definition, durch gemeinsame Überzeugungen und Ansichten. Wirklichkeit ist also nicht einfach da, sie wird konstruiert und stellt damit das Innere einer Gruppe, einer Gesellschaft dar.

Diese Konstruktion der Wirklichkeit greift Katharina Lehmann in ihren Kunstobjekten auf. Am Anfang steht ihre Thread-Drip Painting Technik, die organische Strukturen aus Fäden und Acrylfarbe erzeugt. Das Gewebe, das die Künstlerin damit herstellt ist sowohl für die dreidimensionalen, als auch die Arbeiten auf Papier und Leinwand der Grundbaustein. Das Natürliche, Chaotische wird so versinnbildlicht, zufällige Verbindungen und Ereignisse, die unsere Realität und Wahrnehmung prägen.

In Kontrast dazu setzt Lehmann geometrische Linien, welche die Knotenpunkte des Gewebes verbinden – der Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Durch Termine und Pläne soll die Wirklichkeit in ein Raster gezwängt werden, geradlinig will man sich von Punkt zu Punkt hangeln und blendet aus, dass man doch immer dem natürlichen Chaos unterworfen ist. So überwiegt in den Werken immer die Masse der organischen Strukturen gegenüber den klaren Linien. Gleichzeitig konstruiert Lehmann durch ihr Werk die Wirklichkeit des Betrachters mit, gibt ihm Reibungspunkt und Anlaufstelle für Eindrücke, Meinungen und Gedanken über die eigene Realität – aber auch über die Wirklichkeit der Künstlerin selbst.

Jürgen Heinz abstrahiert Realität und Wirklichkeit noch ein Stück weiter und zerstört die Erwartungen an sein Material, den Stahl. Das sonst in der Schwerindustrie verwendete Metall wird seinem gewohnten Gebrauch entfremdet und ins Gegenteil verkehrt: Heinz lässt daraus bewegliche, futuristische Skulpturen entstehen, die so weit wie nur irgend möglich entfernt sind von Brückenbau und Stahlbeton.

Die modularen Arbeiten wie „Schnittstelle“ oder „People“ erinnern an Denkmäler oder Monumente, sie verändern Raum durch ihre bloße Anwesenheit. Simple Formen, die aus beweglichen Modulen angeordnet und durch Schnitte geteilt sind, bilden eine faszinierende Ordnung, der man sich nicht entziehen kann. Man möchte hingehen und die Skulpturen gerade rücken, die Formen vervollständigen und die Asymmetrien beseitigen und spürt doch, dass diese für die besondere Anziehung der stählernen Konstrukte nötig sind. Denn auch diese Formen und Muster sind nur konstruiert, halten den stetigen Zustand eines geordneten Chaos und zwischen den stählernen Modulen von „Schnittstelle“ bleibt Raum – daraus bilden wir dann unsere Wirklichkeit. The Space Within ist letztendlich der Raum in uns selbst.

Text: Marina Sprenger